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Heimatstube Frohnstetten Getreidesäcke aus Frohnstetten und Umgebung

Collection: Getreidesäcke aus Frohnstetten und Umgebung ( Heimatstube Frohnstetten )

About the collection

Die Frohnstetter Sammlung umfasst eine größere Stückzahl von Getreide- oder Fruchtsäcken aus dem 19. Jahrhundert, die, wie damals üblich, mehr oder weniger kunstvoll beschriftet sind, um den Eigentümer kenntlich zu machen. Die Frohnstetter Säcke bestehen durchgehend aus hochwertigem Leinendrillich, einem dreifädigen, dichten und sehr strapazierfähigen Gewebe in Köperbindung mit wechselnder Gratrichtung (Fischgrat). Säcke jüngeren Datums sind bei gleicher Bindung zum Teil auch aus Jute-Leinen gefertigt. Bemalt wurden die Säcke mit einer sehr haltbaren Farbe auf Leinölbasis, die Eisenvitriol (Schusterschwärze), Mennige (Bleioxid) und Ruß enthielt. Die Beschriftung erfolgte von Hand, mit Hilfe von Schablonen oder auch mit einfachen Druckstöcken. Die Sackmalerei wurde meist als Störhandwerk ausgeübt, d. h. die Maler reisten nach Bedarf von Ort zu Ort und belieferten die Kunden oft zugleich auch mit den Säcken selbst. Im Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen galten seit 1825 die württembergischen Einheitsmaße. Das Hohlmaß für Getreide war der Scheffel (177 Liter) = 8 Simri (mit je 22 Liter). Mit der Reichsgründung 1871 wurde das metrische System eingeführt mit der Masseeinheit Kilogramm (bzw. Zentner und Doppeltzentner) anstelle der traditionellen Hohlmaße für Schüttgut. Die älteren Scheffelsäcke sind deutlich größer als die jüngeren Exemplare, deren Größe sich am Gewicht des Getreides orientiert. Ein mit Weizen gefüllter Scheffelsack würde ca. 134 Kilogramm wiegen und wäre damit kaum mehr zu handhaben. Allerdings wurde im 19. Jahrhundert am Heuberg überwiegend Dinkel als Winter- und Brotfrucht angebaut, der aus Haltbarkeitsgründen in den Spelzen eingelagert wurde und so mit 74 Kilogramm pro Scheffel deutlich leichter als Weizen war. Das auf dem Dachboden in offenen Schütten (Fruchtbühne) gelagerte Getreide wurde vom Müller alle paar Wochen sackweise abgeholt und das daraus gewonnene Mehl samt der angefallenden Spelzen wieder von Haus zu Haus ausgeliefert. Die Fruchtsäcke kamen also insgesamt dreimal zum Einsatz: Vom Dreschplatz zur Fruchtbühne, von dort zur Mühle und wieder zurück. Dabei wurden die Säcke nach jedem Gebrauch sorgfältig gereinigt und auf dem Dachboden hängend gelagert, um Feuchtigkeitsschäden und Mäusefraß zu verhindern.

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