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Landesmuseum Württemberg Glasarbeiten von Wilhelm von Eiff

Glasarbeiten von Wilhelm von Eiff

Das Landesmuseum Württemberg beherbergt eine herausragende Sammlung an Glasarbeiten von Wilhelm von Eiff (1890-1943) und seiner Schüler.
Mit seiner ganz eigenen Formensprache wurde Wilhelm von Eiff, der zunächst eine Lehre als Glasgraveur bei der Württembergischen Metallwaren Fabrik (WMF) machte und ab 1922 Professor an der Kunstgewerbeschule in Stuttgart war, zu einem Pionier der modernen Glasgestaltung. Er war maßgeblich an der Entwicklung neuer Techniken in der Glasverarbeitung beteiligt und gerade die sogenannte „Schnitz- und Glasradiertechnik“ wurde ab den 1920er Jahren zu den charakteristischen Techniken der Eiff-Schule. Dieser Werkvorgang, vorwiegend mit biegsamer Welle und Elektrohandmotoren ausgeführt, erlaubte eine weitgehende künstlerische Freiheit auf großflächigen, modernen Fenstern ohne Unterteilung. Auch in der Gestaltung von Vasen, Dosen, Pokalen und gläsernenn Porträtreliefs findet sich die charakteristische Arbeitsweise Eiffs wieder.
Seit 1929 war Eiff Mitglied der Deutschen Glastechnischen Gesellschaft, ab 1931 hatte er den Vorsitz des Fachausschuss IV für Glasveredelung inne. Er hielt verschiedene Vorträge zur Glasgestaltung im In- und Ausland und übernahm Großaufträge für Fensterradierungen.
1937 nahm Eiff an der Weltausstellung Paris teil und erhielt den Grand Prix für künstlerische Glas- und Edelsteinschnitte.
Auch seine Schüler griffen die neuen Bearbeitungstechniken auf und schufen faszinierende Glasobjekte und Gebrauchswaren, in denen sich frei komponierte organische Formen genauso wiederfinden, wie minutiös geschnittene Details gegenständlicher Motive.

[ 11 Objects ]

Der Glaspokal entstand um 1919, als Wilhelm von Eiff mit seiner Familie nach Stuttgart übersiedelte, wo er sein erstes eigenes Atelier bei der Marienkirche eröffnete.
Es handelt sich um einen reich verzierten, glockenförmigen Becherpokal auf einem trichterförmigen, hohen und hohlen Fuß.
Auffallend ist das üppige exotisch-orientalisch anmutende Dekor, welches wohl von der zeitgenössischen Faszination für den Orient inspiriert ist. Gestaltet ist dieses als fünfteiliges, stehendes Lanzettmuster mit dicht hintereinander gestaffelten Rosetten und Spiralranken auf mattem Grund, darüber ein Tropfendekor auf blankem Grund. Passend dazu ist der Fuß am oberen Teil ebenfalls mit mattem Spiraldekor verziert.
[Marlene Barth]

Glaspokal

Diese rundbauchige Vase ist in Wilhelm von Eiffs typischer „Schnitztechnik“ gearbeitet, die eine Übertragung des reliefartigen Hochschnitts auf die Glasbearbeitung darstellt.
Motivisch lassen die ausgearbeiteten konvexen und konkaven Formen eine Vielzahl von Interpretationen zu, sei es eine geöffnete Frucht oder auch als stilisierte Figuren mit erhobenen Armen.
Sehr weich und organisch in ihrer Wirkung spiegelt die Vase die anthroposophische Kunstauffassung wieder, die Eiff vertrat, seit er 1920 zum ersten Mal Rudolf Steiner (1861-1925) begegnete. In der Kunst spiegelt sich dabei der Mensch als Schöpfer wider und in seinen lebendigen, organischen und „wachsenden“ Formen kann das Kunstwerks der Schöpfung der Natur gleichwertig gegenüber treten.
[Marlene Barth]

Vase

Gerade mit Porträts wurde Wilhelm von Eiff als Glas- und Steinschneider bekannt. Er wollte dabei stets Bildnisse nach dem Leben schaffen und setzte sich daher mit seinen Modellen intellektuell und zeichnerisch intensiv auseinander, so auch bei diesem Porträt Paul von Hindenburgs.
Im Auftrag des Kunsthistorikers Gustav Pazaurek (1865-1935) für die Hindenburg-Ausstellung 1927 im Landesgewerbemuseum Stuttgart gefertigt, zeigt dieser Glaspokal das mattierte Reliefmedaillon mit dem Profil des 80-jährigen Reichspräsidenten. Gerahmt wird es durch die umlaufende Inschrift „PAUL VON HINDENBURG/ UND BECKENDORFF“. Zusätzlich ist auf dem mattiertem Nodus die umlaufende Inschrift „DU SOLLST AN DEUTSCHLANDS ZUKUNFT GLAUBEN/ AN DEINES VOLKES AUFERSTEHEN *** FICHTE ***“ zu lesen.
[Marlene Barth]

Deckelpokal "Hindenburg"

Die runde, bauchige Dose aus eismattiertem, weißem Kristallglas trägt auf dem leicht überstehenden, flach gewölbtem Deckel ein verschlungenes Motiv, das in seiner schwungvollen, organischen Gestaltung an einen siebenstrahligen, geschleuderten Stern erinnert. Passend dazu ist die Schale mit sieben schrägen, plastisch modellierten Lappungen verziert, die wiederum ornamentale, sphärische Flächen ergeben.
Die Dose trägt in der Mitte das Glasmachersymbol, das „unendliche Kreuz“, und darüber die Initialen „AvB“ für Adrienne von Bülow, Tochter des Intendanten von Pulitz am Stuttgarter Hoftheater. Wilhelm von Eiff lernte sie 1934 durch die „All People Association“ kennen, deren Vorsitzender er von 1934 bis 1937 war.
[Marlene Barth]

Glasdose

Der Glaspokal mit gestuftem Teller auf runder Standfläche, langem, zylindrischem und auffallend massivem Fuß öffnet sich nach oben in einer tulpenförmigen Kuppa. Der Deckel ist hoch gewölbt und mit einem langen, mattierten Knauf versehen, der mit floralem Muster reich verziert ist und damit noch an populäre Formen des Jugendstils erinnert.
Im Zentrum der Kuppa ist ein mattiertes Medaillon zu sehen, auf welchem das fein ausgearbeitete Profil Conrad Haußmanns (1857-1922) abgebildet ist.
Der Stuttgarter Conrad Haußmann war von 1889 bis zu seinem Tod Landtagsabgeordneter der Demokratischen Volkspartei in Württemberg sowie Reichstagsabgeordneter. Er hatte sich maßgeblich für die Erneuerung der Stuttgarter Kunstgewerbeschule eingesetzt, an der Wilhelm von Eiff als Lehrer tätig war.
[Marlene Barth]

Deckelpokal "Conrad Haußmann"

Die bauchige Vase aus mattem Bergkristall mit kleinem, leicht eingezogenen Fuß und einem flach gewölbtem Deckel mit konkavem Ansatz, zeigt das Motiv dreier spielender Kinder mit einem Baum und vier Vögeln vor einer stilisierten Landschaft. Auf dem Deckel ist ebenfalls ein sitzendes Kind mit Vogel dargestellt.
Die für Wilhelm von Eiff typische Technik des Hochschnitts ist an der erhabenen, reliefartigen Oberfläche zu erkennen und verleiht der Vase einen modernen, flächigen und kantigen Stil, der durch die Reduzierung der Formen unterstützt wird. In dieser idyllischen Szenerie, dem Motiv der spielenden Kinder mit Vögeln, zeigt sich ein Idealbild des Menschen, wie er als ein unschuldiges Kind im Einklang mit Flora und Fauna lebt.
Erworben aus Lotto-Mitteln.
[Marlene Barth]

Deckeldöschen "Spielende Kinder"

Eine Scheibe aus Bergkristall, eingefasst in silberner Zarge steht auf einem vierteiligen Fuß, der von einer Halterung aus Silberdraht in Rankenwerk mit Blättern und spiraligen Enden umgeben ist. Im Kristall zeigt sich in sehr feiner Ausführung das erste Menschenpaar Adam und Eva vor einem dekorativen Hintergrund aus Weinranken und Trauben, die in ihrer paradiesischen Fülle für das Leben und die geistige Erkenntnis stehen. Im Laufschritt nach links blickt das Paar einander an, welches durch zeitgenössische Frisuren in die Moderne versetzt wurde.
Nach Auffassung Eiffs zeigt sich in den ersten Menschen die moderne Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies, in dem der Mensch noch im Einklang mit der Natur gelebt hat.
[Marlene Barth]

Zierständer "Adam und Eva"

Auf dieser ovalen Deckeldose mit doppelwulstigem Knauf, die in mattem, tiefgeschnittenem Glas gestaltet ist, sind die Gegensätze von Tag und Nacht bildlich dargestellt.
So zeigt die eine Seite einen auf einem Tier reitenden Putto mit vier Vögeln vor der Sonne, auf der anderen einen auf einem Fisch reitenden Putto mit vier weiteren Fischen und Sternen. Dabei symbolisieren die Fische und Sterne die Dunkelheit des Meeres und die Nacht, Sonne und Vögel repräsentieren hingegen die Helligkeit des Tages und des Himmels. Auf dem Deckel sind auf der einen Seite drei Rehe im Gezweig zu sehen, die auf das stille Verweilen bei Nacht verweisen. Die Jagdszene auf der anderen Seite mit Fuchs, Hase und zwei Vögeln stellt das aktive Jagen bei Tag dar.
[Marlene Barth]

Glasdose „Tag und Nacht“

Gustav Edmund Pazaurek (1865-1935), Prager Kunsthistoriker und Leiter des Landesgewerbemuseums Stuttgart, war ein Kenner und Sammler von Kunstgewerbegegenständen und insbesondere von Glaskunst. So verwundert es nicht, dass er 1912 auf den jungen Wilhelm von Eiff aufmerksam wurde, als sich der Künstler an der Königlich Württembergischen Zentralstelle für Handel und Gewerbe in Stuttgart für ein Reisestipendium nach Ägypten auch mit Glasarbeiten bewarb. Aus dieser Begegnung entstand ein lebenslanges freundschaftliches Verhältnis, das von Austausch und gegenseitiger Inspiration geprägt war.
In seinen Porträtdarstellungen strebte Eiff eine Vereinfachung der Form an. Sein Porträtrelief konzentriert sich hierbei ganz auf den Menschen Pazaurek.
[Marlene Barth]

Plakette mit Porträtrelief von Gustav E. Pazaurek

Mit Porträtschnitten begründete der Glaskünstler Wilhelm von Eiff seinen Ruf als Glas- und Steinschneider, eine Kunst, die nur wenige beherrschten. Eiff arbeitete ab 1913 an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule auf dem Weißenhof. Aus Ermangelung eines eigenen Lehrganges stellte er die Gravurwerkzeuge in der Metallklasse von Paul Haustein (1880-1944) her. Ab 1921 wurde unter seiner Leitung eine eigene Fachabteilung für Glas- und Edelsteinbearbeitung eingerichtet. 1916 bekam er vom Direktor des Kunstgewerbemuseums Gustav Pazaurek (1865-1935) den Auftrag für zwei "Königspokale". Um den Auftrag auszuführen erhielt Eiff im Sommer 1916 extra Kriegsurlaub. Ein Pokal wurde dem König zum 25-jährigen Regierungsjubiläum vom "Verein der Freunde des Königlichen Kunstgewerbemuseums" geschenkt, der zweite war für die Sammlung des Königlichen Landesgewerbemuseums bestimmt.
Der Pokal mit dem Porträt Wilhelms II. von Württemberg ist in der Schausammlung "LegendäreMeisterWerke" im Alten Schloss ausgestellt.

Königspokal mit dem Porträt Wilhelms II. von Württemberg

Die Garnitur wurde in der Inflationszeit im Sommer 1922 von einem württembergischen Industriellen bei Paul Haustein in Auftrag gegeben, der sie zu Weihnachten für 28.000 Goldmark lieferte. Während Ring und Armband den schlichten Ansprüchen der Industriellengattin entsprachen, wurde das pompöse Kollier wunschgemäß verändert; künftig ließ sich der Anhänger isoliert von der Halskette als Brosche tragen. Zwar hatte Haustein, der Leiter der Metallwerkstatt an der Kunstgewerbeschule Stuttgart, den Schmuck "erdacht", aber die Ausführung übernahm seine Meisterschülerin Paula Straus. Den Dekor der Bergkristalle entwarf Wilhelm von Eiff, der die Klasse für Glas- und Edelsteinbearbeitung leitete.

Kollier aus einer vierteiligen Schmuckgarnitur