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Landesmuseum Württemberg Keramikmuseum im Schloss Ludwigsburg

Keramikmuseum im Schloss Ludwigsburg

Das Keramikmuseum in Schloss Ludwigsburg wurde 2004 als Zweigmuseum des Landesmuseums Württemberg eröffnet. Mit rund 4.500 Exponaten auf etwa 2.000 Quadratmetern zählt es zu den größten seiner Art in Europa. Die Exponate aus Irdenware, Steinzeug, Majolika, Fayence, Porzellan und Steingut vermitteln die Geschichte der Keramik vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Thematischer Schwerpunkt ist die europäische Porzellankunst. Neben qualitätvollen Stücken aus Meißen, Wien und anderen bedeutenden Manufakturen setzt der weltweit größte Bestand an Ludwigsburger Porzellan einen starken landesgeschichtlichen Akzent. Von internationalem Rang ist auch Herzog Carl Eugens Sammlung italienischer Majolika.

[ 12 Objects ]

Tasse mit Unterteller

Die Tasse mit Unterteller ist in Sepiamalerei, einer Malfarbe, die sich besonders für fein abgestufte Ton-in Ton-Gemälde eignet, dekoriert. Auf der Tasse ist eine junge Frau mit einem Kleinkind auf dem Schoß wiedergegeben. Im Gegensatz zu diesem Bild privaten Glücks strahlt die Darstellung auf dem Unterteller etwas Feierliches aus: Im Zentrum markiert eine mächtige Palme die Mitte der Szene. An deren Stamm hängen, von der Königskrone überfangen, zwei Ovalschilde mit den ineinander verschlungenen Buchstaben FR für König Friedrich von Württemberg und ein M für Königin Charlotte Mathilde. Die jungen Frauen links und rechts der Palme symbolisieren das Modellieren und das Bemalen, die wesentlichen Arbeiten einer Porzellanmanufaktur. Wegen der ungewöhnlichen Ornamentik auf beiden Teilen gehören Tasse und Untertasse eindeutig zusammen. Auf der Tass müsste folglich ein Mitglied der königlichen Familie dargestellt sein. In Frage kämen Prinz Friedrich, der 1808 geborene Enkel des Königspaares, und seine Mutter Charlotte. Im selben Jahr feierte die Ludwigsburger Porzellanmanufaktur ihr 50jähriges Bestehen. Die Kombination der beiden so unterschiedlichen Bilder ließe sich damit erklären.
[Sabine Hesse]

Tasse mit Unterteller

Artemisia trauert über der Urne ihres Gatten Mausolos

Die im Jahr 1761 gegründete Académie des Arts und ihre Lehrer hatten auch auf ihr weiteres Umfeld großen Einfluß. Mit dem Wechsel des württembergischen Hofbildhauers Wilhelm Beyer, einem Gründungsmitglied der Akademie, an die Ludwigsburger Porzellanmanufaktur, etablierte sich auch dort die neue Stilrichtung des Klassizismus: "Er machte viele Modelle für die Porzellain-Fabrike, und gab zuerst eine Ahndung von griechischer Proportion, Form und Ausdruck. Einfacherer Artemisien, Cleopatren, edlere Nymphen verdrängten die grinsenden Schäferinnen" (Freiherr von Uexküll-Gyllenbrand 1821). Die Porzellanfiguren der Ludwigsburger Manufaktur trugen dazu bei, den neuen Kunstgeschmack breiteren Bevölkerungskreisen nahe zu bringen.
Die Statuette ist im Keramikmuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.

Artemisia trauert über der Urne ihres Gatten Mausolos

Prunkvase

Die durchbrochene Deckelvase mit aufgelegten Blütengirlanden ist ein Hauptwerk des Ludwigsburger Obermalers Gottlieb Friedrich Riedel. Von ihm stammt sowohl das Modell, als auch die Bemalung der Prunkvase.
Mit mehr als 2.000 Stücken besitzt das Landesmuseum die größte Sammlung von Geschirr und Figuren der Porzellanmanufaktur Ludwigsburg. Alle namhaften Künstler, die zwischen 1758 und 1824 für die Manufaktur tätig waren, sind mit zahlreichen Arbeiten vertreten. Der vorhandene Bestand ist fast vollständig im Keramikmuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt, wo auch die Prunkvase gezeigt wird.

Prunkvase

Majolikaschale mit einer Darstellung aus der antiken Mythologie

Die Schale, die ausschließlich Repräsentationszwecken diente, führt die Verwandlung des Jägers Aktäon in einen Hirsch vor Augen. Sie stammt aus dem Besitz des württembergischen Herzogs Carl Eugen (reg. 1774-1793), dessen etwa 800 Stücke umfassende Majolikasammlung heute zum Bestand des Landesmuseums gehört. Ein großer Teil dieser italienischen Bildergeschirre ist, wie auch dieses Exemplar, im Keramikmuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
Hergestellt wurde die Majolikeschale in Faenza oder Verona, die Bemalung stammt von Giambattista dalle Palle.

Majolikaschale mit einer Darstellung aus der antiken Mythologie

Deckelterrine in Gestalt eines Truthahns

Der balzende Truthahn wirkt wie eine Tierplastik. Erst auf den zweiten Blick erkennt man seine Funktion als Terrine, deren oberen Teil man als Deckel abnehmen kann. Das eindrucksvolle Fayencegefäß samt Untersetzplatte stammt aus der kurmainzischen Manufaktur Höchst. Dort wurde es von einem in Meißen geschulten Künstler modelliert und nach dem Brand von Johannes Zeschinger mit Muffelfarben naturalistisch bemalt.
Die Fayencekunst stand um die Mitte des 18. Jahrhunderts in ihrer Blüte und konnte mit dem noch sehr teuren Porzellan durchaus konkurrieren. Getreu nach der Natur gebildete Gefäße wie diese Truthahnterrine behaupteten sich auf der luxuriösen Tafel neben höchst artifiziellen und verspielten Rokokogeschirren.
Die Terrine ist im Keramikmuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.

Deckelterrine in Gestalt eines Truthahns

Kaffeetrinkerin

Die Kaffeetrinkerin gehört zu den besten Modellen, die der württembergische Hofbildhauer Johann Christian Wilhelm Beyer für die Ludwigsburger Porzellanmanufaktur geschaffen hat. Mit übereinander geschlagenen Beinen sitzt sie an einem runden Tischchen und ist im Begriff, sich Kaffee einzuschenken. Die komplett vergoldete Kaffeekanne gibt ein Gefäß aus Edelmetall wieder, weshalb die Kaffeetrinkerin den Kannenhenkel auch nicht mit der bloßen Hand ergreift. Um sich am heißen Silber nicht zu verbrennen, nimmt sie beim Einschenken ein Tuch zu Hilfe.
Beyers Kaffeetrinkerin führt uns einen der Gründe für die beispiellose Karriere des Porzellans in Europa vor Augen: Als schlechter Wärmeleiter war das neue Material für die heißen Modegetränke des 18. Jahrhunderts - Tee, Kaffee und Schokolade -vorzüglich geeignet.
Die Statuette ist im Keramikmuseum im Schloss Ludwigsburg ausgestellt.

Kaffeetrinkerin

Trichtervase mit Ansicht der Residenzstadt Stuttgart

Die Trichtervase aus Ludwigsburger Porzellan zeigt in querrechteckigem radiertem Goldrahmen mit der Aufschrift STUTTGART eine qualitätvoll gemalte Ansicht der Residenzstadt. Gesteigert wird die Leuchtkraft des kobaltblauen Fonds durch die vergoldeten Profile und Ränder. Streng genommen handelt es sich nicht um eine Vase, sondern um einen Cachepot (Blumentopfhülle), der aus zwei Teilen besteht, sich optisch jedoch zu einer Einheit fügt.
Die Vase stammt aus dem Besitz der Königin Sophie der Niederlande, einer württembergische Prinzessin, die mit dem niederländischen König Wilhelm III. verheiratet war. Nach Stuttgart gelangte die Vase 1982 als Staatsgeschenk von Königin Beatrix der Niederlande an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth. Dieser überreichte das traditionsreiche Stück dem Landesmuseum anlässlich seines 125jährigen Bestehens im Jahr 1987. Seit 2004 ist die Vase im Keramikmuseum in Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[Sabine Hesse]

Trichtervase mit Ansicht der Residenzstadt Stuttgart

Zwei Doppelhenkelvasen

Großfürst Paul von Russland, der künftige Zar, und seine Gemahlin, die Großfürstin Maria Fjodorowna besuchten 1782 während ihrer Reise durch das westliche Europa den württembergischen Hof. Herzog Carl Eugen, Maria Fjodorownas Onkel, hielt für die Gäste prunkvolle Feste und Hofjagden ab und ließ in der Porzellanmanufaktur Ludwigsburg aufwändige Geschenke anfertigen: ein aus Porzellan gefertigter Kamin mit einem Spiegel darüber, dazu ein vollständiges Toiletteservice samt einem Porzellantisch. Fast bescheiden wirken daneben die gleichfalls erwähnten großen Doppelhenkelvasen mit Porträts der russischen und der württembergischen Familie. Die Vasen, auf deren Deckeln Schwäne mit ineinander verschlungenen Hälsen Ovalschilde mit den aufgemalten Wappen von Russland und Württemberg im Schnabel halten, zeigen zentral platziert die Porträtsilhouetten des Großfürsten und der Großfürstin. Die Modelle für das Vasenpaar stammen von Johann Heinrich Schmidt. Beide Stücke sind im Keramikmuseum in Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[Sabine Hesse]

Zwei Doppelhenkelvasen

Porzellangruppe: Thetis und Achill

Die Gruppe von Thetis und Achill wurde in Biskuitporzellan gearbeitet, um ihr den Anschein von Marmor zu verleihen. Thetis, die Mutter des griechischen Helden, versucht ihren Sohn zu retten, denn das Orakel hat ihm einen frühen Tod auf dem Schlachtfeld geweissagt. Um dieses Schicksal abzuwenden und ihr Kind unsterblich zu machen, taucht sie es kopfüber in den Fluss Styx, der - Cerberus, der mehrköpfige Hund, weist darauf hin - durch die Unterwelt fließt. Lediglich dort, wo ihre Hand den Sohn hält, an der Achillesverse, bleibt er verwundbar und wird deshalb im Kampf um Troja ums Leben kommen.
Der württembergische Hofmaler Nicolas Guibal entwarf die Gruppe für das zwischen 1763 und 1769 erbaute Schloss Solitude. Sie ist Teil einer Serie, die in Porzellan und in kleinem Format die Skulpturen der heute verlorenen Balustrade auf der Hangseite des Schlosses wiederholen. Dreizehn der ursprünglich 28 Figuren und Gruppen haben sich im Bestand des Landesmuseums erhalten. Sie sind im Keramikmuseum in Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[Sabine Hesse]

Porzellangruppe: Thetis und Achill

Geburtstagstasse für Herzogin Sophie Dorothea von Württemberg

Von Rosenkränzen umrahmt ist der in Gold geschriebene Wunsch "MOEGE SIE LANGE LEBEN" auf die beiden Seiten einer Deckeltasse aus Ludwigsburger Porzellan verteilt. Die römische Zahl XVIII und ein liegender Steinbock, das Tierkreiszeichen für den Monat Dezember, zieren die Front der Tasse, deren Deckelknauf als Herzogshut gestaltet ist. Welchem Mitglied der herzoglichen Familie diese Tasse zum Geburtstag an einem 18. Dezember verehrt wurde, verraten die Initialen SDHW auf Deckel und Untertasse: Sophie Dorothea Herzogin von Württemberg.
Zum wievielten Geburtstag die Herzogin das Geschenk erhielt, ist nicht belegt. Aus stilistischen Gründen würde man die Deckeltasse um 1780-1790 datieren. Der plastische Herzogshut auf dem Deckel legt jedoch eine spätere Datierung nahe: Ihre drei letzten Geburtstage 1795, 1796 und 1797, beging Sophie Dorothea als Gemahlin des regierenden Herzogs von Württemberg. Möglicherweise war die Deckeltasse eine Gabe der Manufaktur an die Landesherrin, etwa zu ihrem 60. Geburtstag im Jahr 1796.
Das Ensemble ist im Keramikmuseum in Schloss Ludwigsburg ausgestellt.

Geburtstagstasse für Herzogin Sophie Dorothea von Württemberg

Porzellangruppe: Magd mit Mohr

Die reizvolle Zweiergruppe aus Ludwigsburger Porzellan zeigt eine Magd mit Einkaufskorb, die von einem märchenhaft gekleideten schwarzhäutigen Mann umworben wird. "Mohren", wie Schwarzafrikaner im 18. Jahrhundert ganz wertfrei genannt wurden, waren im Hofstaat europäischer Fürsten sehr geschätzt. Einerseits zeugten sie von deren weitreichenden Beziehungen, andererseits hatten sie dekorative Funktion. In exotische Kleider gehüllt, die ihr fremdartiges Aussehen noch unterstrichen, beschäftigte man sie als Pauker oder Trompeter - hoch angesehene Ämter - oder sie dienten als so genannte Kammermohren in unmittelbarer Umgebung der Fürstenfamilie. Auch die Herzöge von Württemberg schmückten sich mit Kammermohren, von denen für das 18. Jahrhundert einige bezeugt und namentlich bekannt sind. Vielleicht sind in der Porzellangruppe Joseppo Pietro delli Santo Belli und seine Ehefrau, eine Württembergerin namens Katharina Dorothea, wiedergegeben. Dies würde auch die besitzergreifende Geste erklären, mit der der Kammermohr das Handgelenk der jungen Frau umgreift. Die Porzellangruppe ist im Keramikmuseum in Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
[Sabine Hesse]

Porzellangruppe: Magd mit Mohr

Porzellangruppe: Meleager mit dem kalydonischen Eber

In der Mythologie war Meleager ein Sohn des Königs von Kalydon. Als Strafe für ein religiöses Versäumnis hatte die Göttin Artemis einen furchtbaren Eber geschickt, der das Land verwüstete. Zusammen mit den tapfersten Helden Griechenlands machte Meleager Jagd auf das Tier und erlegte es schließlich.
Der württembergische Hofmaler Nicolas Guibal entwarf die überlebensgroße Gruppe für das zwischen 1763 und 1769 erbaute Schloss Solitude. Sie ist Teil einer Serie, die in Porzellan und in kleinem Format die Skulpturen der heute verlorenen Balustrade auf der Hangseite des Schlosses wiederholen. Dreizehn der ursprünglich 28 Figuren und Gruppen, die die Reichtümer Württembergs allegorisch verherrlichten, haben sich im Bestand des Landesmuseums erhalten und sind im Keramikmuseum in Schloss Ludwigsburg ausgestellt.
Wie Guibal in seinem Skizzenbuch schriftlich festhielt (heute in der Staatsgalerie Stuttgart), ist die Darstellung Meleagers mit dem kalydonischen Eber als Anspielung auf den Schwarzwildpark zu verstehen. Dem entsprach die Platzierung auf der Schlossbalustrade gegenüber des Zugangs zum herzoglichen Jagdrevier.

Porzellangruppe: Meleager mit dem kalydonischen Eber